DEUTSCHBALTISCHE STUDIENSTIFTUNG

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One Man, One Vote – der Intensivkurs Baltikum 2015

Bericht einer Teilnehmerin

Demokratie früher, heute und morgen? – So lautete der Untertitel des diesjährigen Intensivkurses Baltikum 2015. Obwohl ich schon des Öfteren an Veranstaltungen der Deutschbaltischen Studienstiftung oder des Deutschbaltischen Jugend- und Studentenrings e.V. teilgenommen hatte, so war dieser Intensivkurs doch mein erster dieser Art. 25 Studierende aus Estland, Deutschland, Lettland, Litauen und Russland versammelten sich in der wunderschönen Jugendherberge Zündholzfabrik in dem noch schöneren Lauenburg an der Elbe, um von Sonntag zu Sonntag, sprich in 8 Tagen, zu lernen und unsere Erfahrungen mit und unser Wissen über Demokratie zu diskutieren. Dabei ging es um folgende Fragen: Was ist eigentlich Demokratie und wie nehmen wir sie (länderspezifisch?) wahr? Was für Alternativen gab und gibt es und wie wird Demokratie heute umgesetzt? Was sind die Chancen dieses politischen Systems und wo gibt es aber auch die Probleme?

In den ersten Tagen bekamen wir über Vorträge einen historischen Überblick über die wichtigsten europäischen Politiksysteme: Das antike Griechenland, Rom, später auch Stadtbürgerrechte im Mittelalter und den Wechsel der politischen Systeme in der Moderne. Wir diskutierten über Politikverdrossenheit, Rechte und Pflichten des Bürgers, freie und gleiche Wahlen, Rechtstaatlichkeit, Parlamente, geteilte Gewalten, soziale Gerechtigkeit, Chancengleichheit, Minderheitenrechte, was insgesamt schon einen guten Einblick in die Intensivität und Bandbreite der diskutierten Themen bereitet.

Als Ergänzung zu den Diskussionen und Vorträgen, und um in ein wenig Demokratie-zum-Anfassen Einblick zu erlangen, gingen wir auf Exkursion ins nahe gelegene Hamburg. Dort bekamen wir eine Rathausführung, konnten so Einblick in die Arbeitsweise der Hamburger Landespolitik erhalten. Besonders eindrucksvoll für fast alle Teilnehmende – oder zumindest für mich – waren auch die Treffen mit den verschiedenen PolitikerInnen unterschiedlicher Parteien, die jeweils auf verschiedenen Ebenen tätig sind bzw. waren. Zuerst einmal sprachen wir mit Peri Arndt (SPD), Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft, über ihre Leidenschaft als Teilzeit-Politikerin und Musikerin. Aber auch Dr. Christian von Boetticher als ehemaliges Mitglied des Europäischen Parlaments (CDU) referierte mit schwungvoller Rhetorik über die demokratische Arbeitsweise der Europäischen Union, obwohl ich vor lauter Schwung nicht so ganz nachvollziehen konnte, wo die demokratischen Arbeitsweisen dann doch wieder aufhören. Demokratie bedeutet ja offensichtlich auch, überzeugen zu können und selbst das wurde in seiner Person wunderbar demonstriert. Schlussendlich berichtete die ehemalige Bundestagsabgeordnete Frau Dr. Christel Happach-Kasan (FDP) über die Vorteile zu wählen und sich wählen zu lassen.

So viel Input braucht natürlich auch etwas Ausgleich, was durch Sing- und Tanzabende – die Vorbereitung auf den krönenden Abschlussball – Sauna und Grillen wieder ausgewogen wurde. Und selbst Teilnehmende, die im Voraus ein wenig skeptisch in Bezug auf das Tanzen waren, wurden mitgerissen vom lauten Aufruf Martin Pabsts „Mesdames et Messieurs“ und von den Lachern manches Fehlers in der Française sowie den energetischen Volkstänzen.

Abschließend präsentierten wir in drei Gruppen unsere Diskussionsergebnisse über Demokratie am Carl-Schirren-Tag im Lüneburger Glockenhaus und - um nicht zu vergessen - nach einem Empfang von (einer der) Lüneburger Bürgermeisterinnen Regina Baumgarten im Rathaus. Am Abend ließen wir den Tag und die Woche in wundervoller Garderobe mit Tanz und herrlichem Buffet ausklingen.

Man kann sagen, dass der Intensivkurs in vielen Dimensionen die Beschreibung „intensiv“ verdient. Selbst jetzt, ein paar Wochen später, bin ich noch immer trunken von den vielen Eindrücken, einerseits intellektueller Art, andererseits aber auch von den persönlichen Gesprächen und Eindrücken von Menschen, dem Ball und der jungen politikinteressierten Generation.

Besonders inspirierend fand ich die unterschiedliche Wahrnehmung der Demokratie in den verschiedenen Ländern und dass es auch Platz für weniger populäre Meinungen wie die kritische Auseinandersetzung mit Demokratie in den Diskussionen gab. Und natürlich war es auch dieses Mal besonders toll, so viele interessante Studierende kennen zu lernen. Das ist bei den Treffen des Deutschbaltischen Studienstiftung e.V. fast so selbstverständlich, dass man es kaum noch erwähnen muss.

Rahel Meisel

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