DEUTSCHBALTISCHE STUDIENSTIFTUNG

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„Gehen Sie nicht über Los…“ – Das Thema Menschenrechte greifbar gemachtPhotoGrid 1439463373757

 Ungefähr im April 2015 flatterte eine E-Mail in mein Postfach. Absender: Die Domus-Dorpatensis-Stiftung in Tartu, in deren Mailingliste ich mich irgendwann mal eingetragen hatte. Betreff: Für einen internationalen Jugendaustausch wurden Teilnehmer gesucht. An dem Seminar mit dem Titel „The Spirit of Democracy“ sollten sieben Deutsche, sieben Esten und sieben Letten zwischen 18 und 30 Jahren teilnehmen, organisiert wurde das Seminar von der Deutschbaltischen Studienstiftung, und finanziert von der EU-Programm Erasmus+, so dass auf die Teilnehmer kaum Kosten zukommen würden. Seminarorte: Liepāja und Rīga in Lettland. Abgesehen davon, dass ich für den Zeitraum des Seminars noch keine anderen Pläne hatte und eine kostenlose Reise nach Lettland ganz attraktiv fand, hatte ich schon lange immer wieder von Seminaren der Deutschbaltischen Studienstiftung gehört und Interesse daran gehabt, daran einmal teilzunehmen. Ich schickte meine Bewerbung ab, und bekam einige Wochen später die Nachricht, dass ich teilnehmen durfte.

Die Vorbereitung bestand aus einer Konversation per E-Mail mit den anderen Mitgliedern der „deutschen Gruppe“ zur Vorbereitung der Programmpunkte, die jede Ländergruppe zu leiten hatte: Einen Kulturabend zum eigenen Land, einen Workshop zu verschiedenen Themen und einen 30-minütigen Vortrag zum Thema „[Unser Land] in der EU“. Dafür unterhielten wir uns in der deutschen Gruppe auch zwei Mal per Skype, und dann ging es auch schon nach Liepāja.

Das Programm war dicht gepackt: In Liepāja begannen wir mit einer Stadtrallye und feierten unsere Kulturabende, wurden von zwei Freiwilligen von Amnesty Lettland besucht und arbeiteten mit Ihnen in einem Briefmarathon und in dem Amnesty-Workshop „My Body, My Rights“, diskutierten über Menschenrechte und schrieben eine Petition an die Europäische Kommission!Dann fuhren wir nach Rīga, besuchten das lettische Parlament und Außenministerium, das Museum der Lettischen Okkupation, das Europa-Haus und die ehemalige KGB-Zentrale.

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Alle Programmpunkte waren sehr lehrreich, aber uns allen wir unsere letzte Nacht in Liepāja wohl besonders lange in Erinnerung bleiben: Wir verbrachten sie im ehemaligen Militärgefängnis von Karosta, wo sogenannte „Extreme nights“ für Besucher veranstalten werden. Dort soll man für einige Stunden ansatzweise ein Gefühl dafür bekommen, was Soldaten bis in die 80er-Jahre des letzten Jahrhunderts erwartete, wenn sie dort wegen verschiedener Vergehen in ihren Regimenten eingesperrt wurden.

Um neun Uhr Abends wurden wir “eingelassen” und in Reih und Glied aufgestellt. Der “Kommandant” in Uniform gab uns im Militärton eine Einführung zur Geschichte des Gebäudes und zum Alltag der echten Insassen.
Dann waren wir dran: Wir bekamen Befehle auf Russisch, Lettisch und Englisch, mussten marschieren, „Betten machen“ und wurden beleidigt und herumgeschubst… wenn jemand einen Fehler machte, mussten alle Kniebeugen oder Liegestütze machen und dabei den Namen des “Schuldigen” brüllen. Einige von uns “Normalos” kamen dabei durchaus an ihre körperlichen Grenzen, anderen gingen die “sinnlosen” Aufgaben und das Verhalten der “Wachen” psychisch nahe, obwohl wir vorher alle hatten unterschreiben müssen, dass wir an einem Spiel teilnehmen würden und wussten, dass nichts persönlich gemeint war. Aber alle hielten durch, und nachts um halb zwei bekamen wir unsere Sachen zurück und die “Wachen” gingen nach Hause – bis zum nächsten Morgen um acht waren wir in den feuchten Gängen des alten Gefängnisses allein und konnten ungestört auf den pallettenartigen Holz”betten” mit dünnen Matratzen (diese hatten die Soldaten früher nicht) unter kratzigen Decken schlafen… Am nächsten Morgen ging es zwar müde, aber mit der Ekstase der überstandenen Anstrengung nach Rīga.

Übrig bleiben für einige Tage noch die blauen Knie, und die Erinnerung an diese Nacht mit Sicherheit noch viel länger. Vom Seminar mitnehmen kann ich außerdem einige neue Anregungen wo und wie ich mich zukünftig als Europäerin einbringen kann, zum Beispiel in NGOs wie Amnesty. Und nicht zu vergessen: 20 neue Freunde!


Karosta GefängnisPhotoGrid 1439459597338

Anna-Lena Fricke,
Studentin aus Deutschland

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