DEUTSCHBALTISCHE STUDIENSTIFTUNG

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„Die Spiele, die die Staaten spielen“

Schwerpunktseminar Riga 2016

 

Was macht einen Staat eigentlich zu einem Staat? In welchem Verhältnis stehen souveräne Staaten zueinander? Was versteht man unter einem »Sicherheitsdilemma« und mittels welcher Konzepte lassen sich politische Ordnungen theoretisch wie auch konzeptuell analysieren? Diese und viele weitere Fragen wurden im Rahmen des diesjährigen Schwerpunktseminars in Riga diskutiert. Der Themenschwerpunkt und gleichzeitige Untertitel des viertägigen Intensivseminars war »Internationale Beziehungen verstehen«. So setzten sich insgesamt 20 Teilnehmer aus Deutschland, Estland, Lettland, Litauen und Russland auf theoretische und praktische Weise mit politischen, kulturellen, historischen und philosophischen Ansätzen auseinander, um der komplexen Thematik der Internationalen Beziehungen (IB) zu begegnen. Hilfestellung gab es durch die insgesamt sieben geladenen Referenten, die jeweils zu einem spezifischen Unterthema ihre Erfahrungen und ihr Wissen teilten und zu einem lebhaften Austausch der Teilnehmenden untereinander anregten. Zur Abrundung des intensiven und spannenden Programms aus Vorträgen, Planspielen und Diskussionen fehlte es auch diesmal nicht an kulturellen Veranstaltungen am Abend: Ein Lieder- und ein Tanzabend und schließlich der krönende Abschluss, der feierliche Gesellschaftsabend der Domus-Rigensis-Tage, machten das Schwerpunktseminar zu einer wertvollen Erfahrung, die neben der Vermittlung neuen Wissens auch so manche internationale Freundschaft hervorbrachte.

Im Eröffnungsvortrag stellten die Seminarleiterin Ieva Motūzaitė und Dr. Martin Pabst vor, wie das Seminarprogramm entstanden ist und in welchem Zusammenhang es mit der Zielsetzung der Deutschbaltischen Studienstiftung steht. So betrifft das Thema »Internationale Beziehungen« samt seinen Auswirkungen in der heutigen globalisierten Welt nahezu jeden Menschen, bekommt jedoch eine zusätzliche Bedeutung hinsichtlich des Zusammenlebens von Minderheiten und Mehrheiten innerhalb von Staaten. Ein Beispiel hierfür sind deutsche Minderheiten im Baltikum in der Vergangenheit und der Gegenwart.

Zu Beginn des Seminars beschäftigten sich die Teilnehmenden mit dem Schlüsselbegriff der Souveränität, deren Zusammenhang mit dem Völkerrecht sowie mit der Rolle der Staaten als Träger von Rechten und Pflichten innerhalb der internationalen Gemeinschaft. Der vortragende Referent, Dr. Christoph Schewe, ging hierfür unter anderem auf die Geschichte der Entstehung von Territorialstaaten ein, auf den Westfälischen Frieden von 1648 und auf die so genannte Drei-Elemente-Lehre von Staaten. Durch praktische Beispiele und konkrete Bezüge (Warum handelt es sich bei Schottland nicht um einen Staat? Wie verhält es sich mit dem Fürstentum Sealand?) erhielten alle Teilnehmenden einen ersten Einblick in die wichtigsten Konzepte der IB. Dr. Maria Mälksoo aus Tartu widmete sich hingegen der Frage nach der Innenpolitik der Staaten im Kontext der IB. Dabei wurden u. a. Aspekte der Globalisierung und Kosmopolitisierung sowie deren Auswirkungen auf Nationalstaaten näher in den Blick genommen und diskutiert. Mit Prof. Dr. Ivars Ijabs folgte ein Vortrag über klassische Theorien als Analyseinstrument von IB, indem auf Konzepte des Realismus, Liberalismus und Konstruktivismus eingegangen wurde. Schließlich folgte mit dem Referenten Rihards Bambals die Vorstellung eines Analysetools zur Erforschung der Katastrophenwahrnehmung im Rahmen des aus der Friedensforschung stammenden Konzepts der „Human Security“ und deren Rolle innerhalb der IB. Ein gänzlich interaktiver Programmpunkt wurde den Teilnehmenden durch das von Steven Kawalle entwickelte und vorgestellte Planspiel „Decide & Survive“ geboten: Hierbei durften unterschiedliche Teams gegeneinander unterschiedliche Staaten verkörpern und diese nach eigenem Interesse diplomatisch und/oder militärisch nach außen vertreten. Das mehrstündige Planspiel endete mit einer lebhaften Diskussion seitens der Teilnehmenden. Mit Dr. Deniss Hanovs‘ Vortrag über Demokratie und ethnische Identität in der globalisierten Risikogesellschaft wurde schließlich Bezug genommen auf das Gastgeberland Lettland, dessen vergangene und aktuelle Minderheitenpolitik und die damit zusammenhängenden Herausforderungen und Chancen. Hanovs thematisierte u. a. Fragen wie die nach der Identität (Was heißt es, Russe/Russin sein? Was heißt es, Lette/Lettin sein?, etc.) sowie Fragen bzgl. einer so genannten geschlossenen Gemeinschaft (Gemeinschaft durch gemeinsame Sprache, historische Erfahrungen, etc.). Die Teilnehmenden erhielten interessante und vor allem aktuelle Einblicke in politische Prozesse im Zuge historisch erlebter Erfahrungen am Beispiel Lettlands. Der letzte Vortrag handelte von Diplomatie und Spionage und wurde von Jan Menzer gehalten. Der Fokus richtete sich hierbei auf Spionageakte zwischen Weltmächten (Beispiel: Abhörskandal Merkel durch die NSA), wechselte aber auch zu Themen wie dem privaten Nutzungsverhalten auf Internetplattformen wie bspw. Facebook.

Die Zusammenfassung der vielfältigen Vorträge soll einen kleinen Einblick in das abwechslungsreiche und konstruktive Programm des Schwerpunktseminars geben. Für die hervorragende Organisation und Planung, das liebevoll gestaltete Kulturprogramm (vielen Dank an dieser Stelle auch an Dr. Martin Pabst und seiner Française) und dem ganz wunderbaren Team bleibt daher im Namen aller nur noch zu sagen: LIELS PALDIES!

 

Von Swenja Lohrengel

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