DEUTSCHBALTISCHE STUDIENSTIFTUNG

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Intensivkurs Baltikum 2013
"Ich, wir und die anderen" Vorurteile, Stereotypen und Abgrenzungen

Jeder von uns weiß, was Vorurteile und Stereotypen sind, und wir haben täglich mit den beiden viel zu tun. „Was sind Vorurteile, wie entstehen sie und wie soll man mit Vorurteilen umgehen?“ – die 18 Teilnehmer des diesjährigen Intensivkurses haben versucht, zu diesen Fragen Antworten zu finden. Jugentliche und Studenten aus Lettland, Estland und Deutschland sind nach Lauenburg gekommen, um zusammen akademische Kenntnisse zu erlangen, etwas Neues zu erfahren und um sich miteinander durch den Kulturaustausch als Weltsbürger zu entwickeln.
Der Intensivkurs 2013 „Ich, wir und die Anderen“ dauerte acht Tage, davon sechs in Lauenburg und die zwei letzten Tage in Lüneburg. Am Dienstag hat die Gruppe auch eine Stadtführung durch Lübeck gemacht und dabei etwas über die Geschichte der Hansestadt gelernt. Die akademische Seite des Intensivkurses enthielt Vorträge zu Themen wie Theologie, Psychologie und Geschichte, dazu auch interaktive Seminare und Diskussionsrunden mit verschiedenen Referenten.
Im Programm gab es auch einige Workshops mit selbständiger Arbeit, wo man in kleinen Gruppen über die Themen diskutieren konnte. Am Ende wurden die Ergebnisse in einer Vortragsrunde präsentiert. Damit bekam jeder die Chance seine eigenen Ideen einzubringen und auch Team-Arbeit zu üben. Besonders amüsant und spannend waren die Vorträge zum Thema „Ich bin ...“ – da hat man über unsere Identität und damit verbundene Vorurteile diskutiert. Alle Gruppen hatten etwas unterschiedliche Vorgehensweise, wann es zum Vortragen kam – es wurde eine Video gemacht, eine Fotoserie, eine Powerpoint Präsentation und sogar ein Schauspiel!
Neben der akademischen Seite gab es auch Zeit für die Entwicklung der praktischen Fähigkeiten. Schon am zweiten Tag wurde mit dem Tanzkurs als Vorbereitung für den Abschluss des Intensivkurses – den Gesellschaftsabend am Carl-Schirren-Tag –  angefangen. Unter anderen Tänzen wurden „Francais“ und Walzer gelernt, und es wurde auch zu etwas exotischeren Tänzen wie „Troika“ eine Einleitung gemacht. Neben dem Tanzen gab es auch abends genügend Aktivitäten – man hat sich mit Gruppenarbeiten beschäftigt, verschiedene Volks- und Poplieder gesungen und einfach über das Leben im Heimatland diskutiert. Wer dazu Lust hatte, konnte auch eine kurze Stadtführung durch das abendliche Lauenburg machen oder einfach einen Spaziergang an der Elbe.
Wie gesagt, der Abschluss des Kurses war der Carl-Schirren-Tag. Während dieser letzten zwei Tagen wurden die Ergebnisse der Gruppenarbeiten präsentiert, ein Ball gefeiert und der Festvortrag gehalten. Die Teilnehmer erwarben praktische Erfahrung zu Präsentationsvorbereitung und auch zum Vortragen vor einem großen Publikum. Auch der Ball war für einige ein neues und deswegen spannendes Erlebnis. Man hat die Chance zu demonstrieren, welche praktische Fähigkeiten man während des Kurses gelernt hat. Die Teilnehmer können über die Bemühungen froh und stolz sein, da alle Tänze erfolgreich ausgeführt wurden. Während des Balles hatten die Jugendliche auch Gelegenheit an den Erfahrungen der älteren Generation teilzuhaben und über aktuelle Themen zu reden. Zusammenfassend hat sich während des Gesellschaftsabends eine Synergie zwischen verschiedenen Nationalitäten und Generationen entwickelt, also kann man sagen, dass die Veranstaltung ihr Ziel vollkommen erreicht hat – verschiedene Leuten zu aneinder anzunähern.
Der Autor ist der Meinung, dass jeder Teilnehmer von dem Kurs etwas Neues mitgenommen hat – etwas Nützliches und Notwendiges, entweder akademische Kenntnisse oder praktische Fähigkeiten und hoffentlich etwas von den beiden. In einem Aspekt waren alle Teilnehmer einig – der Kurs ist dem Namen „Intensivkurs“ würdig, denn er war wirklich intensiv und voller Aktivitäten. Es gab viele neue Informationen im Form der Daten, Meinungen und Erfahrungen, so dass man schon nachmittags ganz voller neuen Kenntnissen war. Deswegen waren die Pausen zwischen Vorträge und Seminare gut platziert, damit die Teilnehmer mit einandern Ideen austauschen und über offene Fragen frei diskutieren konnten. Im Namen aller Teilnehmer will der Autor sich bei den Veranstaltern des Kurses bedanken – Tatjana Vollers, dank derer der Kurs ohne Probleme abgelaufen ist, und Martin Pabst, wer das wunderbare Programm zusammengestellt hat. Ein großes „Danke“ ist auch für alle Vorträger und Teilnehmer bestimmt – Sie haben dem Kurs seinen Inhalt gegeben und ebenso an dem Resultat mitgewirkt.

Anton Neidre

 

 

Wer bin ich – in meinen Augen und in Augen der Anderen, was denke ich über die Anderen und wie entstehen diese Gedanken? Was kann ich tun, um meine Vorurteile abzubauen, und sollte ich es überhaupt? Wie arbeite ich mit Anderen zusammen? Und sind meine Französischkenntnisse gut genug, um während des Française-Tanzes meinen Kopf nicht zu verlieren? Antworte auf diese und mehrere ähnliche Fragen haben wir in Lauenburg gefunden, und wenn nicht, dann zumindest darüber nachgedacht. Denn während des diesjährigen Intensivkurses beschäftigten wir uns intensiv mit den Begriffen Vorurteile, Stereotypen und Abgrenzung.
Die schöne Zeit in Deutschland fing schon etwas früher an: Manche von uns landeten schon am Samstag in Bremen und konnten einander, unsere liebe Tatjana Vollers und die schöne Stadt Bremen kennenlernen. Am nächsten Tag kamen wir in der für viele schon bekannten Lauenburger Jugendherberge an. Nachdem wir unser Gepäck und die Abendgarderobe im Zimmer gelassen und bei einem Stück Kuchen die ersten Kontakte mit den anderen Teilnehmern gemacht hatten, konnte die Woche mit vielen interessanten Vorträgen, Diskussionen, Gruppenarbeiten und tollen Leuten aus Lettland, Deutschland und Estland beginnen.
Da der Intensivkurs nicht umsonst diesen Namen trägt, wurde schon am Sonntag Abend nach einem gemeinsamen Abendessen und einer kurzer Vorstellungsrunde der erste Schritt in die facettenreiche Welt der Identitäten, Vorurteilen und Stereotypen gemacht. So hat uns Dr. Antje Bednarek diese Begriffe aus soziologischer Sicht erklärt und den wichtigen Unterschied zwischen den zwei im ersten Blick ähnlichen Begriffen – Stereotyp und Vorurteil – klarer gemacht.
Um unsere wissenschaftlichen Kenntnisse über die Themen zu verbreiten, wurden die Begriffe auch von der theologischen Sicht verdeutlicht. Der Blick in das psychologische Umgehen mit Stereotypen und Vorurteilen wurde zufällig unsere erste Gruppenarbeit: Da die Referentin verhindert war, arbeiteten wir in Gruppen Texte durch und präsentierten diese nachher. (Überraschenderweise lässt sich der Begriff „kognitive Dissonanz“ auch mit unseren kulinarischen Erfahrungen verbinden, und, wie wir herausgefunden haben, sogar mit Spinat!)
Diese waren die wissenschaftlichen Grundlagen, welche für die sicherere Orientierung im Thema sorgten. Dazu kamen noch viele erhellende Vorträge, die diese Themen in historischer Entwicklung zeigten: Wie ist der Begriff Europa und das europäische Weltbild entstanden, wie entwickelten sich die Begriffe Deutsch und Undeutsch, wie ist das nationale Erwachen von Esten und Letten mit unseren Themen verbunden. Für mich war der Vortrag von Imants Cīrulis über die Schaffung des Heldenbildes während der lettischen Nationalbewegung sehr interessant.
Das dritte Themenfeld – und meiner Meinung nach das spannendste – war die Gegenwart. Die Referenten teilten ihre persönliche Erfahrungen und Gedanken über Themen, womit sie vertraut waren. Wir hatten die Ehre, über die Situation der Sinti und Roma in einer freien und gemütlichen Atmosphäre zu hören; uns wurde mitgeteilt, wie die Situation mit den Extremisten aussieht und wie man mit solchen Gruppen umgehen sollte. Am Mittwochabend saßen wir in einer gemütlichen Gesprächsrunde mit Robert v. Lucius, einem ehemaligen Auslandskorrespondenten der FAZ. Dr. Andreas Püttmann berichtete zum Thema Facettenreichtum. Über das Phänomen „Schweigespirale“, das die öffentliche Meinung prägt, konnten wir noch lange nachdenken. Dr. Harald Schmid zeigte uns mit Hilfe eines Gruppenspiels, wie facettenreich unsere eigene Identität ist, und führte eine heftige Diskussion über die Grenzen der Freiheit in der heutigen Gesellschaft. Hier ein Zitat von Rosa Luxemburg für das Nachdenken: „Die Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden“.
Auch Gruppenarbeiten haben einen großen Teil des Programms ausgemacht. Am Donnerstag bekamen wir eine interessante Aufgabe und zwar über die erworbenen Kenntnisse nachzudenken und eine Präsentation vorzubereiten. Darüber konnte jeder auch alleine nachdenken, da unser Gruppengefühl aber schon so stark war, wurde alles natürlich in Gruppen gemacht. Mit der Aufgabe wurde in den kreativsten Weisen (Rollenspiel, Videoaufnahme, Fotopräsentation) umgegangen und die Präsentationen waren sehr lustig.
Nennenswert ist auch das wirklich spannende Rollenspiel, wobei wir in vier Gruppen, die jede eine Rolle trug, einen grausamen Mordfall in einer kleinen Dorfgesellschaft zu lösen hatten. Da das Szenarium mit CSI im Wettbewerb stehen könnte, kamen wir nicht rechtzeitig auf die richtige Lösung. Der Prozess wurde aber sehr lebhaft und die Ideen genial. Die schwierigste Gruppenarbeit war die Vorbereitung auf die Präsentation für Samstag, da die Vorbereitungszeit etwas knapp war. Die Vorträge haben wir aber sorgfältig vorbereitet und mit den Ergebnissen konnten wir am Ende sehr zufrieden sein.
Wie ihr schon gesehen habt, war die Woche mit vielen interessanten Vorträgen, Diskussionen und Gruppenarbeiten gefüllt. Es waren aber nicht nur die Vorträge und Diskussionen, die diese Zeit in Lauenburg so besonders gemacht haben. Intensiv wurde auch getanzt! Schon am Dienstag wurde uns die Française, der Höhepunkt eines Baltenballs, vorgestellt (auch beim Schreiben dieses Berichts höre ich die fröhlichen Quadrille-Klänge in meinem Kopf....). Jeder Anfang ist schwer, also wurde auch hier zuerst beim „à gauche“ ständig auf die Füße getreten. Doch es war uns mit dem ersten Schritt klar, dass der Ball eine wunderbare Erfahrung sein würde. Am Ende der Woche wurde es mehrmals geübt, dazu kamen noch der Tourenwalzer, die Troika und mein neuer Lieblingstanz, das Knoten.
Nach dem offiziellen Tagesprogramm ging es abends immer inoffiziell mit einem gemütlichen Miteinander im Seminarraum weiter: Mit Hilfe von Mikko v. Bremen und seiner Gitarre fanden wir heraus, dass unser Musikgeschmack doch ähnlich ist und dass wir viele Lieder gemeinsam singen können. Am Freitagabend konnten wir mit einem kulturellen Kartenspiel von Anja v. Boetticher herausfinden, wie wir mit fremden Situationen umgehen. Auch Knotentanzübungen gehörten fast am jeden Abend zu unserem Nachtprogramm (vielen Dank dafür an die freiwilligen Lehrer!). Bei manchen Wagemutigen auch das Schwimmen in der Elbe...
Der Intensivkurs hat uns aber nicht nur in der Jugendherberge festgehalten: Am Mittwoch hatten wir die Gelegenheit, einen halben Tag in Lübeck zu verbringen und die Stadt zusammen mit einer Stadtführerin zu besichtigen. Am Samstag ging es los nach Lüneburg, wo wir im Rathaus ganz herzlich empfangen wurden. Danach wurde uns auch die Stadt Lüneburg und das Brömsehaus näher gezeigt.
Schneller als erwartet war es schon Zeit für die Stunde der Jungen Generation und danach für den Ball. Und der war wunderschön, sowie alle Teilnehmer. Die Française gelang meiner Meinung nach perfekt (hier einen herzlichen Dank an Martin Pabst!), die Troika war schneller als erwartet, geknotet wurde schon auf Expertenniveau und man war überrascht, wie schnell die sechs Stunden vorbei waren.
Am Sonntag kam der beste Intensivkurs der Geschichte zum Ende. Am Vormittag hatten wir noch die Ehre, im Lüneburger Rathaus den Festvortrag von Dr. Kaja Tael, der Botschafterin der Republik Estland, zu hören, und ich hatte die Ehre, im Namen der Teilnehmer des Intensivkurses zu reden. Glücklicherweise waren meine Nerven von der Müdigkeit schon betäubt...
Nach einer Feedbackrunde im Glockenhaus mussten wir uns leider schon verabschieden. Durch die gemeinsamen Diskussionen, Gruppenarbeiten, Tanzübungen und Gespräche während der zahlreichen Kaffeepausen wurde das Gruppengefühl wirklich stark und ich hoffe sehr, dass wir uns möglichst bald bei einer deutschbaltischen Veranstaltung wiedertreffen.


Anni Marie Kunder

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