DEUTSCHBALTISCHE STUDIENSTIFTUNG

Schwerpunktseminar Bielefeld 2017
Gemeinsame Geschichte — gemeinsame Erinnerungen?

Als ich den Titel des Schwerpunktseminares gesehen hatte, habe ich sofort gedacht: „Das wird sehr spannend!“ Kann die Menschheit eine gemeinsame Geschichte schreiben und gemeinsame Erinnerungen teilen? Die sind die Fragen, die unser internationales Team versuchte zu beantworten.

Die 21 Teilnehmer aus fünf Ländern (Deutschland, Estland, Lettland, Litauen und Russland) haben sich in Bielefeld versammelt und vier Tage lang über geschichtliche und politische Streitfragen diskutiert. Dr. Martin Pabst und unser Leiter Ricardo Bergmann haben das Seminar mit einer Einführungsvorlesung eröffnet. Im gleichen Augenblick war es uns schon klar: viele spannende Auseinandersetzungen werden uns bevorstehen. Wir hörten sehr aufmerksam zu und ließen uns kein Wort von dem entgehen, was Dr. Martin Pabst (und danach die anderen Referenten) uns erzählt haben, weil — wie sich herausgestellt hat — uns viele historische Kenntnisse und über die anderen Länder fehlten.

Wir hatten tolle Möglichkeiten, miteinander viel zu diskutieren und in Gruppen zu arbeiten. Da konnten wir unsere Nationalgeschichten besser kennenlernen und den Meinungen von den ausländischen Kollegen zuhören. Die Besonderheit ist, dass man in verschiedenen Ländern andere Aspekten von denselben Ereignissen lernt und andere Begriffe benutzt. Aus diesem Grund haben wir oft mit Engagement gestritten. Zum Beispiel werden die Studierenden aus Russland vielleicht nie anerkennen, dass das Baltikum in den sowjetischen Zeiten besetzt war, weil man in Russland immer lernt, dass die baltischen Länder freiwillig in die UdSSR aufgenommen wurden.

Das Wichtigste war, dass alle versuchten, nicht zu subjektiv zu sein und den anderen gut zuzuhören und sie zu respektieren. Alle Teilnehmer waren sehr freundlich und offen. Obwohl  im 20 Jahrhundert viel Negatives in der Welt passiert war, haben alle verstanden, dass die Schuld auch gemeinsam war. Wir haben bemerkt, dass die Geschichte leider mehr negative als positive Ereignisse kennt. Als wir unsere Erinnerungen aus der modernen Geschichte genannt haben, haben wir fast nur über Kriege oder Terroranschläge gesprochen. Auf eine solche Art und Weise sollte es nicht weiter gehen!

Wir hatten auch das Glück, auf eine thematische Exkursion durch Bielefeld mit einem ausgezeichneten Führer zu gehen. Trotz des nicht angenehmen Wetters, hatten wir eine tolle Führung und im Geiste sind wir im 20 Jahrhundert versunken und haben selbst die Schwierigkeiten solcher Zeiten erlebt.

Am letzten Tag haben wir das Rathaus besucht, wo wir eine Podiumsdiskussion hatten. Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass man die partnerschaftlichen Beziehungen trotz aller politischen Entwicklungen beibehalten muss. Wir waren auch einverstanden damit, dass an uns, an der Jugend die Verantwortung für die Zukunft liegt.

Allerdings war unser Ziel, zusammen zu sprechen und ein gemeinsames Fazit zu ziehen, denn wir können die Vergangenheit nicht ändern, doch die Zukunft hängt allein von uns ab. Man lernt leider besser aus seinen Fehlern, und deshalb müssen wir versuchen, einander besser zu verstehen, um künftige Konflikte zu vermeiden.

Ekaterina Shishkina

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