DEUTSCHBALTISCHE STUDIENSTIFTUNG

Intensivkurs Baltikum 2013
"Ich, wir und die anderen" Vorurteile, Stereotypen und Abgrenzungen

unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten des Landes Schleswig-Holstein Torsten Albig

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Deutsche Boulevardzeitungen schreiben groß „Pleite-Griechen“, ihre griechischen Kollegen kontern mit Hakenkreuzen auf den Titelseiten. Kommentare in Internet-Foren; Leserbriefen und E-Mails zur Beschneidungsdebatte offenbaren die weite Verbreitung und Verwurzelung längst überwunden geglaubter Vorurteile. Stereotype sind allgegenwärtig und besonders in Krisenzeiten leicht aktivierbar, sei es zur Steigerung der Auflage oder des Stimmanteils bei Wahlen.
Vorurteile und Stereotypen ist ein Phänomen, welches die Menschen durch ihre Geschichte begleitet. Stereotype „Bilder vom anderen“ spielten als Mittel der Abgrenzung eine wichtige Rolle im sogenannten „nationalen Erwachen“ der Esten und Letten. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts prägten sie das wechselseitige Verhältnis der späteren Titularnationen der jungen Republiken zu der deutschbaltischen Bevölkerungsgruppe: In Politik, Publizistik, Literatur bis zum alltäglichen Leben im Nebeneinander-her statt Miteinander waren sie stets präsent und vielfach bewusst eingesetzt. Indem die Deutschbalten mit der „Umsiedlung“ - welche eine Kulmination deutschbaltisch-estnisch/lettischer Konflikte in einer Vertreibung schon 1939 obsolet machte – die gemeinsame Heimat verließen, wurden die innenpolitischen Konflikte – vor allem der 1930er Jahre – gegenstandslos, die Vorurteile verloren ihren Zweck als politisches Instrument. Die räumliche Distanz verhinderte jedoch auch eine Überwindung der Stereotypen durch Alltagserfahrung. Bilder wie das des „bösen Barons“ konnten von der Ideologie der Sowjetunion weiterverwendet werden.
Das Europa der Gegenwart mit Schengen II, Gemeinschaftswährung und hoher Individual-mobilität bietet eine historisch einmalige Gelegenheit, den Stereotypen differenzierte Erfahrungen entgegenzusetzen. Das Zukunftsprojekt eines gemeinsamen Europas des Friedens ist zwingend darauf angewiesen. Nichts desto trotz handelt es sich bei Vorurteilen, Stereotypen und Abgrenzung um Phänomene, die zum Menschsein und zur Gesellschaftsbildung unvermeidlich dazugehören und daher der kritischen Reflektion bedürfen, um sie verstehen und überwinden zu können. Daher stehen die Fragen „Wie und warum konstruieren und verwenden Menschen Vorurteile und Stereotypen? Haben sie andere Funktionen, als die Vereinfachung einer komplexen Welt? Brauchen wir sie als Negativfolie, um uns selbst in Abgrenzung vom „anderen“ zu definieren? Wie funktioniert Identität?“ ganz grundlegend im Zentrum des Intensivkurs Baltikum 2013.
Der Kurs umfasst 28 Seminareinheiten, die in 8 Module gegliedert sind. Nach der Einführung (Modul 1) erfolgt zunächst eine primär theoretische Annäherung an die Thematik aus den Zugängen, welche die Wissenschaft bietet: Soziologie, Psychologie und Theologie. Auf diese Weise sollen die unterschiedlichen Vorkenntnisstände der Teilnehmer angeglichen und das inhaltliche und sachliche Niveau der Gesamtmaßnahme sichergestellt werden (Modul 2). Anschließend wird die konkrete Bedeutung von Vorurteile, Stereotypen und Identitätsbildung in der gemeinsamen Geschichte Est- und Lettlands bis in das 20. Jahrhundert erarbeitet (Modul 5). Neben Möglichkeiten zur individuell-kreativen Auseinandersetzung mit dem Thema (Modul 6) bildet seine Bedeutung für die Gegenwart und konkrete Lebenswirklichkeit der Teilnehmer ein Schwerpunkt: Welche Chancen und Risiken bieten Stereotypen und Identitäten einer demokratischen Gesellschaft, einem multinationalen Europa und wie geht man mit Intoleranz im Alltag um? (Modul 7).

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