DEUTSCHBALTISCHE STUDIENSTIFTUNG

Baltischer JUGEND- und studentenKongress 2014
„Miteinander leben können?“
unter der Schirmherrschaft des Ministerpräsidenten des Landes Schleswig-Holstein Torsten Albig


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Ob national(sozialistisch)e Volksgemeinschaft oder homo sovieticus: Ein Gemeinwesen, das von einer einzigen, homogenen Gruppe bevölkert wird, ist seit Menschengedenken stets Fiktion geblieben. In der Realität sind wir damit konfrontiert, dass in unseren Städten, Bundesländern, Staaten und der gesamten EU viele und unterschiedliche Bevölkerungsgruppen leben. Die Gewährleistung eines friedlichen Miteinanders dieser verschiedenen sozialen, ethnischen und kulturellen Gruppen ist eine der wichtigsten Aufgaben, wenn man ein gemeinsames, friedliches Europa schaffen und erhalten will. Seit über zehn Jahren sind Konzepte des multikulturellen Nebeneinanders verstärkt in der Diskussion. Parallelgesellschaften werden zunehmend als Bedrohung wahrgenommen und politisch instrumentalisiert. Die Lösung kann in einem pluralen Miteinander liegen.

Um eine solche gemeinsame Zukunft zu gestalten ist ein Blick in die gemeinsame Geschichte der Familien der Teilnehmer sowie generell von Esten, Letten, Deutschbalten und Russen im Baltikum hilfreich. Zu den sozialen Gegensätzen, welche allen europäischen Gesellschaften in ihrer vor- und frühmodernen Ständeordnung gemein waren, trat hier eine weitere sprachlich-kulturell-ethnische Differenzierung der Landesbevölkerung, welche in dieser Form in Europa einzigartig war und das Baltikum von anderen multiethnischen Regionen unterscheidet. Das allgemein verbreitete und anerkannte Geschichtsbild kennt eine deutschbaltische Oberschicht, der ein estnisches bzw. lettisches Bauerntum gegenüberstand, die sich nach 1918 als ethnische Minderheit in den jungen Republiken wiederfand. Plötzlich haben die Deutschbalten sich mit den ehemals unterdrückten arrangieren müssen. Bis heute ist diese Vorstellung von der baltischen Vergangenheit in Köpfen und Reiseführern fest verankert, den anderslautenden historischen Fakten zum Trotz. Die politische und gesellschaftliche Instrumentalisierung sowohl durch die estnischen und lettischen Nationalbewegungen wie auch durch die Deutschbalten selbst haben ein friedliches Miteinander der Großeltern der Teilnehmer in der Zwischenkriegszeit massiv erschwert. Vor diesem Hintergrund entwickelte der deutschbaltische Publizist und Politiker Paul Schiemann seine Konzeption des anationalen Staates und der Kulturautonomien, welche für die Frage, wie ein künftiges geeintes Europa gestaltet werden könnte, wichtige Impulse geben kann. Auch heute sind die Gesellschaften Est- und Lettlands weit von einer sprachlichen, kulturellen oder auch politischen Homogenität entfernt. Die Frage, ob und wie ein friedliches Miteinander statt eines Nebeneinanders gestaltet werden kann, durchzieht die Vergangenheit und Gegenwart Est- und Lettlands und ist für die künftige Entwicklung existentiell. Der Baltische Jugend- und Studentenkongress will die Teilnehmer aus Est-, Lett- und Deutschland in drei Referaten mit wichtigen Aspekten dieses Themas vertraut machen, bevor sie dann in Workshops diese Themen weiter diskutieren und aus ihren neuen Erkenntnissen ihre Schlussfolgerungen für die Gestaltung einer friedlichen, pluralen und gemeinsamen Zukunft im Heimatland und im geeinten Europa ziehen. Diese Schlussfolgerungen sollen abschließend in der „Stunde der jungen Generation“ auf dem Carl-Schirren-Tag präsentiert werden.

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Die Deutsch-Baltischen Gesellschaften