Schwerpunktseminar Riga 2017
„Ist doch nur ein Lied?“ 

Unter dem Titel und der gleichzeitigen Leitfrage „Ist doch nur ein Lied?“ begann das Schwerpunktseminar am Donnerstag mit der Begrüßung und dem darauf folgenden Einführungsvortrag des Seminarleiters Dr. Pabst. Er umriss das Thema und fragte den aktuellen Stand des Wissens der Teilnehmer zum Thema ab.

Die Projektleiterin Rozīte Spīča lockerte die Stimmung und brach das Eis durch ein paar lustige Spiele, die die Gruppe untereinander näherbrachte.

Nach dem gemeinsamen Abendessen stand, für Wiederholungstäter nichts Neues, „Mein Lied, Dein Lied, Unser Lied“ auf dem Programm. Es ist jedes Mal eine tolle Möglichkeit, direkt von den anderen Kulturkreisen etwas zu erfahren, welche Momente und Erinnerungen sie mit verschiedenen (Volks-)Liedern haben und da gibt der neuste „Liederbalte“ wirklich einiges her. Auch wenn dieser Programmpunkt schon so etwas wie Tradition ist, so hatte er diesmal eine weitere wichtige Aufgabe. Denn wenn wir es nicht selber auch praktizieren würden, so sprächen wir ja vom Singen und der Macht vom Singen, wie ein Blinder übers Sehen.

Womit ich persönlich nicht gerechnet habe: Dass in später folgenden Vorträgen auf an diesem Abend gesungene Lieder Bezug genommen wird.

Der Freitag begann für mich etwas hektisch, da uns von ortskundigen Letten versichert wurde, dass wenn man zügig geht, die Strecke bis zur Alberta Straße 13 in 18 Minuten zu schaffen ist. Wir planten also 25 Minuten ein und nach ca. einer guten viertel Stunde fiel uns auf, dass wir nur knapp die Hälfte der Strecke geschafft hatten. Also hieß es sich spurten und so kamen wir doch rechtzeitig an.

Die Vorträge wurden alle in den Räumlichkeiten der Stiftung DOTS gehalten. An dieser Stelle möchte ich mich dafür sehr bedanken, da es wirklich sehr angenehm ist, sich dort auch mehrere Stunden aufzuhalten. Es ist ein Licht durchfluteter Raum, es gibt bequeme Stühle und tolle Versorgungsmöglichkeiten. Paldies!

Herr Dr. Schewe hielt, wie schon im letzten Jahr, einen grandiosen Vortrag und versteht es, sowohl schwierige Themenkomplexe bildlich und somit verständlich, aber eben auch tiefgehend, darzustellen. Wussten Sie, dass unsere Grundrechte eher Abwehrrechte sind? Oder: wie frei sollten Medien, Kunst und Wissenschaft tatsächlich sein und wo ist man wie frei? Als es mit einmal in der sich anschließenden Diskussion um „Wie tolerant sollte eine tolerante Gesellschaft sein und sollte man Intoleranz tolerieren?“ drehte, kam leider die Kaffeepause dazwischen. Dies bedeutete allerdings nicht, dass damit sich alle genüsslich ausruhten, sondern es wurde munter weiter debattiert.

Herr Prof. Dr. Levāns kündigte bereits zu Beginn an, dass es ein sehr kompliziertes Thema werden würde. Es war einerseits die Herausforderung für einen gestandenen Geschichtsforscher sich kurz zu fassen und andererseits einen doch recht großen Bereich sinnvoll zu umreißen. Er hat es geschafft.

Als nächstes folgte eine Führung von Herrn Pabst durch Riga, da es noch einiges zu sehen gibt, dass an vergangene Tage erinnert oder diesen sogar entspringt.

Sketch Stadtansichen Mei Sketchbook Mei 3

(Sketches von Mei Ling Chen)

Zurück in der Alberta Iela 13 lauschten wir der Folklore von Herrn Prof. Dr. Muktupalves, der neben seinen Vortrag auch auf der Kokle uns etwas vorspielte und zum Singen anregte. Gleichzeitig erweiterte sich mein Wortschatz um ein paar Worte.

Der Besuch der Domus-Rigensis-Tage war gar nicht so einfach, denn in dem großen Museum hätten die Vorträge scheinbar überall sein können, aber wir fanden den richtigen Raum. Nach zwei gelungen Vorträgen konnte man sich entweder noch etwas die ausgestellten Sammlungen anschauen oder direkt zu dem vorbereiteren Häppchen und Sekt-Buffet übergehen.

Ich guckte mir lange die Relikte der Vergangenheit an und hatte dennoch die Möglichkeit, mit vielen Balten zu sprechen. So wurde am selben Abend noch ein möglicher Kontakt nach Vancouver hergestellt. Wer hätte das gedacht?

Am Sonnabendmorgen wurde uns gezeigt welche Macht Literatur, Lyrik und einzelne Worte haben können. Zum Beispiel warum die lettische Volksgruppe generalisiert als „Hans“ bezeichnet wurde.

Natürlich musste für den anstehenden Gesellschaftsabend auch der richtige Tanz sitzen und so wurden wir von unserem Maître in der hohen Kunst der Francaise unterrichtet.

In dem darauf folgenden Vortrag hörten wir von Frau Volkinšteine, wie eindrucksvoll und stark „Pūt vējini“ war. Es hat mich in der Tat überrascht, da ich es noch am Donnerstagabend gesungen hatte.

Es wurde sich für den Gesellschaftsabend vorbereitet, wie immer bei den Damen etwas mehr Stress als bei den Herren, aber am Ende ist doch das Ergebnis bei jenen wesentlich ansehnlicher. Es wurde getanzt, gegessen, sich unterhalten und ordentlich francaised. Ein gelungener Abend.

Am Sonntag bekam ich nur noch den ersten Vortrag mit. Es ging um politische Kunst im heutigen Lettland und ich war sehr entzückt, dass hierbei die Rolle von Hip-Hop auf eine positive Art und Weise dargestellt wurde.

Insgesamt konnte ich einiges an Informationen mitnehmen und danke den Veranstaltern, dass ich nun auf Fragen wie: „Welche Rolle spielen Traditionen im heutigen lettischen Kulturschaffen?“ etwas eloquenter antworten kann.

Maximilian Wende